Der Branderhof - Das Gut! in der Stadt

Konzeptideen für ein nachbarschaftliches Begegnungs-zentrum in Burtscheid

Der Branderhof liegt zwischen Gillesbachtal und Adenauer-Allee westlich des Frankenberger Viertels. Er entstand 1513 als Pachthof. 1937 hat die Stadt Aachen den Hof erworben und ihrerseits verpachtet. Im September 2013 ist das Areal an die Stadt Aachen zurückgefallen. Der denkmalgeschützte Teil von Gut Branderhof in Burtscheid soll laut aktueller Planung der Stadt Aachen „in seiner baulichen Substanz langfristig erhalten“ und weiterhin als „identitätsstiftend“ wahrgenommen werden. Der Hof befindet sich in einer attraktiven Innenstadtrandlage. Die Entfernung zum (Burtscheider!) Dom beträgt nur wenige 100m; die Stadtmitte ist fußläufig erreichbar; zudem ist das Plangebiet gut an den ÖPNV angeschlossen.

 

Wir, der Verein „Gut! Branderhof e. V.“, entwickeln derzeit gemeinsam mit der Stadt Aachen und dem Land Nordrhein-Westfalen als Fördergeldgeber ein Konzept für ein Nachbarschafts- und Begegnungszentrum für Burtscheid. Unser Konzept setzt voraus, dass die Stadt den Branderhof weiterhin in ihrem Besitz behält und dem gemeinnützigen Verein „Gut! Branderhof“ ein sogenanntes Nutzungsrecht einräumt. Dieser würde den Hof in Eigenregie nach einem eigens erarbeiteten Wirtschaftsplan betreiben.    

 

GUT! Branderhof – der Verein

 

Zweck des Vereins ist die Pflege und Förderung der Bürgergemeinschaft und des Gemeindelebens aller Altersgruppen in Burtscheid und der näheren Umgebung. Aufgrund des sich auch hier abzeichnenden demografischen Wandels nimmt der Verein mit einem gezielten Quartiersmanagement insbesondere ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger ins Visier. Zudem sollen Menschen mit Migrationshintergrund unter ausdrücklicher Einbeziehung der derzeit in Aachen lebenden Flüchtlinge mit den Projekten auf dem Branderhof angesprochen werden, um ein lebendiges Miteinander und ein echte Begegnung zwischen Einheimischen und Menschen, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind, zu fördern. Der Verein ist selbstlos tätig, er verfolgt keine eigenwirtschaftlichen Zwecke.

 

 

GUT! Branderhof – ein Ort für ALLE

 

Ziel ist es, den Branderhof gemeinsam mit den Kirchengemeinden, den im Viertel ansässigen Geschäftsleuten (BIG) sowie den Burtscheider Vereinen und sozialen Einrichtungen zu einem lebendigen Ort der Begegnung zu machen. Bei der Entwicklung unserer Ideen ließen wir uns von dem Gedanken leiten, den Hof zu einem Ort der Begegnung für ALLE Bürgerinnen und Bürger (auch) des angrenzenden Wohnumfeldes zu entwickeln. Mit Initiativen, Räumen, Projekten, die das nachbarschaftliche Miteinander und somit auch das soziale Leben im Viertel auf ganz eigene Weise fördern. Weil der Branderhof seit Jahrhunderten als Gutshof betrieben wurde, soll dieser Historie auch bei den Projektideen Rechnung getragen werden. Es war immer ein naturnaher Ort, an dem viel mit den Händen gearbeitet wurde, an dem Menschen zusammen kamen, gemeinsam etwas geschafft und geschaffen haben.

 

 

GUT! Branderhof – die Burtscheider Gutsküche

 

Im alten Wohngebäude des Branderhofes war in den letzten Jahren, als das Gut noch als Reiterhof betrieben wurde, eine Gastronomie mit Namen „Vetternwirtschaft“ untergebracht. Viele Bürgerinnen und Bürger aus dem Viertel aber auch von weiter her kamen hier zum Essen, sie saßen im Sommer im Innenhof bei einem Glas Wein und genossen die lebendige Atmosphäre des Reitbetriebes. Genau das machte das besondere Flair des Branderhofes aus. Und genau diese lebendige Atmosphäre möchten wir durch unsere Nachbarschaftsinitiativen wieder auf den Hof bringen. So soll im Erdgeschoß des Haupthauses wieder eine Gastronomie angesiedelt werden, die gleichzeitig als eine Art Quartierswohnzimmer dienen soll. Der Verein bietet dort in Zusammenarbeit mit der Nachbarschaft einfache Speisen und Getränke an. Gedacht ist u.a. an Aktionen wie „Nachbarn kochen für Nachbarn“ in Form eines sogenannten „table d´hotes“, bei dem ein festes Gericht angeboten wird und alle gemeinsam an einer großen Tafel essen. Am Nachmittag wird im Quartierswohnzimmer  u.a. selbst gebackener Kuchen aus der Nachbarschaft angeboten. Die Gastronomie ist auch ein Ort für selbst organisierte Koch- und Backkurse. Die Gutsküche soll eine ganztägige offene Tür für das gesamte Quartier werden.

 

 

GUT! Branderhof - das Burtscheider Backhaus

 

Backhäuser waren bis in die 1960er Jahre weit verbreitet. Ein Gemeindebackhaus, früher auch „Backes“ genannt, war als einfacher Zweckbau konzipiert. Speziell in Dörfern kamen die Bürger an regelmäßigen Backtagen zusammen, was eine wichtige, gemeinschaftsfördernde Tätigkeit darstellte. Neben dem eigentlichen Ofenraum gab es mancherorts auch Nebenräume, in denen die vor- oder nachbereitenden Arbeiten durchgeführt werden konnten. Die Öfen wurden mit lokal verfügbarem Heizmaterial beheizt. Immer mehr Dörfer und Städte in Deutschland entdecken die alten Backhäuser wieder neu. Auch am Niederrhein und im Selfkant kennt man die dort typischen Backhäuschen aus Feldbrandziegeln. So versteht man z.B. unter der Begrifflichkeit „Von Tüddern nach Sittard gehen“ die zeitliche Dauer des mit den Füßen Knetens eines Vollkorn-Teiges. Es ist ein Projekt mit hoher Integrationswirkung für das gesamte Stadtviertel. Hier können Bürgerinnen und Bürger unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Kulturen an festen Tagen in der Woche zusammen finden. Für die Älteren sind damit eventuell noch Erinnerungen an die eigene Kindheit verknüpft. Für Familien mit Kindern ist es eine gute Möglichkeit, zusammen mit anderen etwas zu schaffen, zu produzieren, gemeinsam etwas sinn- und gemeinschaftsstiftendes zu unternehmen. Auch Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund sind solche Backhäuser oft noch aus ihrer Heimat vertraut und sie können ihre landestypischen Rezeptideen mit einbringen. Auf diese Weise fördert das Backhaus auch das interkulturelle Zusammenleben in Burtscheid.

 

GUT! Branderhof – die Burtscheider Gutsräume

 

In den alten Stallungen auf der rechten Seite (vom Branderhofer Weg aus gesehen) sollen gemeinschaftlich genutzte Gutsräume unterschiedlicher Größe und Funktionalität entstehen. In diesen Räumen können Familienfeiern, Kurse, Werkstätten, Ausstellungen, Lesungen, Konzerte, Theatervorstellungen, Gesprächskreise und auch Versammlungen der in Burtscheid ansässigen Vereine und Initiativen stattfinden. Auch Weiterbildungsangebote nach dem Vorbild der sogenannten Dorfhochschule wären hier möglich. Bürgerinnen und Bürger aus dem Viertel stellen ihr persönlich erworbenes Können und Wissen der Nachbarschaft zur Verfügung. Vom richtigen Obstbaumschnitt bis hin zu alten Handwerken. In diesem Bereich des Branderhofes wäre auch die Einrichtung einer gut ausgestatteten Kreativ- und Reparaturwerkstatt denkbar. Sie würde zu einem Treffpunkt, an dem Menschen alleine oder gemeinsam mit ehrenamtlichen Experten im Sinne des nachhaltigen Wirtschaftens defekte Gegenstände wie elektrische Geräte, Fahrräder oder Möbel wieder in Ordnung bringen oder gemeinsam kreativ sind. Mit diesem Angebot werden vor allem auch Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Migrationshintergrund angesprochen, die häufig aus ihren Heimatländern ein beachtenswertes handwerkliches Können und Wissen mitbringen. Auch eine Vermietung der Werkstatt an Menschen aus der Nachbarschaft wäre möglich. Der Verein übernähme in Eigenverantwortung das Raummanagement.  

 

 

Gut! Branderhof – Die Burtscheider Nachbarschaftshilfe

 

Am Branderhof soll es eine eigene Anlaufstelle für unterschiedlichste Formen der Nachbarschaftshilfe geben, die von Ehrenamtlichen organisiert wird. Egal ob es um Kinder geht, die von Nachbarn nach der Kita oder der Schule betreut werden, bis die Eltern zuhause sind über Hilfe im Garten, Unterstützung beim Einkaufen, Hilfe und Beratung bei der altersgerechten Umgestaltung der eigenen Wohnung, Begleitung beim Arztbesuch bis hin zu einem nachbarschaftlichen Besuchs- und Hilfsdienst zur Entlastung pflegender Angehöriger. Gerade für ältere Menschen können solche Angebote lebensentscheidend sein. Menschen, die zuhause nicht mehr allein zurechtkommen, sind häufig gezwungen, in ein Seniorenheim umzuziehen. Vielen von ihnen ist es dennoch ein großes Anliegen, so lange wie möglich in ihrem vertrauten Quartier zu bleiben. Sie kennen sich dort aus, die Menschen dort sind ihnen vertraut. Damit sie möglichst lange in ihren Häusern und Wohnungen bleiben können, soll die ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe auch und insbesondere für diese Personengruppe Alltagshilfen und Unterstützung organisieren. Der Branderhof wäre die zentrale Anlaufstelle dafür. Hier arbeiten Ehrenamtliche aus dem Quartier zusammen mit Fachleuten aus dem Bereich Pflege und Wohnungsumgestaltung.  

 

 

Weitere Akteure am Branderhof

 

Neben dem gemeinnützigen Verein „Gut! Branderhof e.V.“ wird die Kindertagesstätte „Kind und Kegel“ in die Doppelscheune des Hofes einziehen. Ein Investor hat diesen Teil des Hofes von der Stadt erworben, wird ihn sanieren und nach Fertigstellung an die Kita vermieten. Außerdem möchte die Stadt Aachen auf dem Grundstück hinter dem Gutshof ein experimentelles Wohnprojekt auf den Weg bringen. Ziel ist es,  dort eine möglichst vielfältige Mischung an Bewohnern anzusiedeln und gemeinsam mit ihnen neue, experimentelle Wohn- und Eigentumsformen zu entwickeln.  Schon jetzt besteht eine enge Verzahnung und Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren am Branderhof: Dem Verein „Gut! Branderhof e.V.“, der Kita „Kind und Kegel“ und den bislang bestehenden Baugruppen.